Menschen entdecken - Geschichte begreifen

Die Erlebnis- und Erfahrungsgeschichten von Menschen, die den Ort, die Zeit und die Handlung (als Einheit) dort erlebt haben, sind eine Hinterlassenschaft, die man er- und befragen kann, auf jeden Fall sichern muss, weil in ihnen die Ober– und Unterseite der Wahrnehmung des eigenen Lebens beleuchtet werden.

Zeit- und Ortszeugen wurden gesucht und ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aller Generationen zu Wort gebeten, durch deren Erlebnisgeschichten der Wandel der Zeiten an den Friedrichshainer Plätzen nachvollziehbar wird.
2008, 2009 und 2011 wurden diese Gespräche, zum Teil betagter Zeitzeugen auf Video aufgezeichnet und bewahren so die Erinnerungen für die nachfolgenden Generationen. Sie werden Teil eines Zeit- und Orts-Zeugen-Archivs.
Parallel zu drei Ausstellungen fanden ergänzend Zeitzeugen-Werkstätten statt und inzwischen gibt es ein Video-Archiv mit ca. 30 Geschichten von Bewohnern, aus denen ein Bild der alltäglichen Geschichte rekonstruierbar wird.


1) BERLIN UPPER EAST SIDE - 100 Jahre Alltag rund um den Rudolfplatz
Ausstellung zur 100jährigen Alltags-Geschichte aus Anlass des 100jährigen Jubiläums der Zwingli-Kirche, 2008

Der Verein übernahm bei seiner Gründung die von Martin Wiebel begründete Sammlung von Zeitzeugen-Interviews auf Video über die Geschichte des Quartiers Rudolfplatz zwischen 1908 und 2008, die in den Jahren 2003-2007 entstanden waren, gefördert von URBAN II.


2) VOR DEM FALL DER MAUER - 40 Jahre Leben mit der Teilung in Friedrichshain und Kreuzberg
Ausstellung zu 40 Jahren Leben mit der Teilung in Friedrichshain und Kreuzberg, 2009

Seit dem Fall der Mauer 1989 verändert sich der ehemalige Grenzbezirksteil an der Spree schnell und radikal. Er gewinnt eine neue soziale, wirtschaftliche und kulturelle Identität, die den ehemaligen Arbeiterbezirk verändert. Konversion und Gentrifizierung, Neugründungen und Wegzug bestimmen die Gegenden um den Boxhagener Platz und den Rudolfplatz im Friedrichshain. Anhand der persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen, die Bürgerinnen und Bürgern aus beiden Bezirksteilen in der Zeit- und Orts-Zeugen-Werkstatt aktiv einbrachten, wird die Zeit der Teilung vor und nach dem Mauerbau dokumentiert und aufgearbeitet werden. Dadurch wird das Wissen über geschichtliche und gesellschaftspolitische Entwicklungen beiderseits der ehemaligen Grenze bewahrt und erweitert.
 
3) 1961 – AN EINEM SONNTAG IM AUGUST, 2011
Ausstellung aus Anlass des Gedenkjahres »50 Jahre Mauerbau« , eine Präsentation der Zeitzeugenberichte, 2011

Der Bau der Berliner Mauer war ein historisches Ereignis. Jedoch war es auch eines, das in besonderer Weise seinen Niederschlag im alltäglichen Leben der Berliner Bevölkerung fand. So waren Wege zu Verwandten und Freunden oder zum Arbeitsplatz von einem Moment auf den nächsten gekappt. Zugänge zu Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten waren versperrt. Es sind individuelle Spuren in den Biografien einzelner Menschen, die erst die ganze Tragweite dieses Ereignisses erahnen und die Erinnerungen lebendig werden lassen.

Es sind Geschichten von Menschen, die von einem Tag auf den nächsten ihren Alltag vollkommen neu organisieren, sich in den geänderten geografischen Gegebenheiten orientieren mussten. Es sind Geschichten von Menschen die viel verlieren und nichts gewinnen.